Fachausdrücke und Begriffserklärungen

Definitionen in der Abwassertechnik

Fachausdrücke werden in verschiedenen naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen oft unterschiedlich definiert. Die nachstehenden Ausdrücke und Erklärungen werden in der Abwassertechnik verwendet.

A

Aufnahme eines Stoffes in das Innere eines anderen, wobei die Grenzfläche zwischen den beteiligten Stoffen verschwindet und sich das Volumen des sorbierenden Mediums vergrößert.

Wiederverwendung von aufbereitetem Prozesswasser bzw. Abwasser in den Produktionsprozessen unter Beachtung der Energieeinsparung gegenüber der Verwendung von Frischwasser.

Anlagerung oder physikalische Bindung von gelösten Stoffen an die Oberfläche fester Stoffe (beispielsweise Aktivkohle).

Das Aneinanderhalten der Moleküle im Bereich der Grenzflächen zweier verschiedener Stoffe. Die Haftwirkung zwischen einer festen Grenzfläche und einer zweiten Phase, die aus einem kontinuierlichen flüssigen Film bestehen kann.

Zusammenballung von einzelnen Teilchen zu größeren Einheiten mit lockerer Konsistenz.

D - E

Entfernung der durch Adsorption angelagerten Stoffe vom adsorbierten Stoff (Umkehr der Adsorption).

Waschaktive Substanzen mit grenzflächenaktiven Eigenschaften. Detergenzien werden als Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel sowie als Flotations- und Feuerlöschmittel verwendet. Sie sind Waschmittel, die unter anderem auch Tenside enthalten.

Feine, nicht molekulare Verteilung eines Stoffes in einem anderen, sodass seine Teilchen in dem anderen schweben und jeweils durch eine Schicht des Dispersionsmittels voneinander getrennt sind.

Spezielle Polymere, die durch Ladungsneutralisation die emulgierende Wirkung von Emulgatoren aufheben und dadurch zu einer Emulsionsspaltung führen.

Chemikalien, die durch Herabsetzung der Grenzflächenspannung die Bildung von Emulsionen erleichtern und sie stabilisieren.

Gemisch zweier ineinander nicht mischbarer Flüssigkeiten, bei dem die eine in Form von feinen Tröpfchen in der anderen verteilt ist (disperse Systeme).

F

Lipophiler Leichtstoff mit geringerer Dichte als Wasser, der in Wasser nur in geringem Maße löslich sowie verseifbar und polar ist. Beispiele wären Nahrungsfette sowie -öle tierischen und pflanzlichen Ursprungs.

Massenanteil des im Abwasser vorhandenen Fettes, der sich aufgrund des Dichteunterschiedes auf physikalischem Weg nach 15 Minuten vom Abwasser abgetrennt hat.

Massenanteil des im Abwasser vorhandenen Fettes, der im Abwasser emulgiert ist oder kolloidal (Scheinlösung) oder echt (molekular) gelöst ist.

Verfahren, bei dem Stoffteilchen durch feine Gasbläschen aus einem Stoffgemisch zum Aufschwimmen gebracht werden, beispielsweise bei der Luftflotation oder Entspannungsflotation. Hierbei entsteht Flotat (flotierter Schlamm).

H - K

= wasserfreundlich,
= wasseranziehend, -aufnehmend, -liebend,

Neigung eines Stoffes, mit Wasser in Wechselwirkung zu treten.

= wasserabweisend,
= wasserfürchtend, -abstoßend,

fehlende Neigung eines Stoffes, mit Wasser in Wechselwirkung zu treten.

= Ausflockung, Flockung.
In der Wasseraufbereitungstechnik bedeutet Flockung die künstliche Erzeugung von Flocken, die suspendierte oder kolloidal gelöste Bestandteile des Wassers adsorbieren oder einschließen.

Vereinigung von kleinen Tropfen oder Blasen zu größeren. Dieses Verfahren wird in Koaleszenzabscheidern zur Öl-Wasser-Trennung realisiert.

L-M

Flüssigkeit mit geringerer Dichte als Wasser, die in Wasser nur in geringem Maße löslich, unverseifbar und unpolar ist. Beispiele hierfür wären Benzin, Diesel- und Heizöl oder auch Schmieröle.

Massenanteil der im Abwasser vorhandenen Leichtflüssigkeit, der sich aufgrund des Dichteunterschiedes auf physikalischem Weg nach 15 Minuten vom Wasser abgetrennt hat (siehe DIN 38409 Teil 19).

Massenanteil der im Abwasser vorhandenen Leichtflüssigkeit, der in Wasser emulgiert oder kolloidal (Scheinlösung) oder echt (molekular) gelöst ist (vgl. DIN 38409 Teil 19).

= fettfreundlich, -aufnehmend, -anziehend.

Homogenes Stoffgemisch in flüssigem Zustand, das den gelösten Stoff in molekularer Verteilung enthält.

Membranverfahren basieren auf dem Prinzip der Querstromfiltration (Cross-Flow-Filtration). Je nach Größe der abzutrennenden Partikel werden diese Verfahren als Mikrofiltration (0,5-0,1 µm), Ultrafiltration (0,1-0,01 µm), Nanofiltration  (0,01-0,001 µm/ 10-1 nm) oder Umkehrosmose (1-0,1 nm) bezeichnet. Bedingt durch den benötigten starken Druck und die schnelle Fließgeschwindigkeit der zu behandelnden Fluide werden für diese Verfahren hohe Anforderungen an die Pumpen gestellt. Da Membranverfahren zu Verblockungen neigen, sind sie empfindlich gegenüber wechselnden Abwasserzusammensetzungen und müssen oft gereinigt werden.

N - O

Die Nenngröße ist im Sinne der Normen ein einheitenloser Kennwert: bei Leichtflüssigkeitsabscheidern zum Beispiel für die hydraulische Zuordnung der Abscheider – bei Fettabscheidern zur Bestimmung der grundlegenden Abmessungen. Die Nenngröße entspricht dem maximal möglichen Durchfluss in l/s, sofern bei der Abscheiderbemessung keine Erschwernis-Faktoren für Leichtflüssigkeitsdichte, Schmutzwasser, Temperatur usw. in die Nenngrößenermittlung eingegangen sind.

Vor einem Abscheider einzubauende Einrichtung zum Auffangen der abscheiderbelastenden Verschmutzungen des Abwassers, die im Unterwasserbereich fugenlos einstückig ist. Der Ölschlammfang kann aus Stahlbeton nach DIN 4281 sein, also u. a. mit geeigneter Innenbeschichtung auf sandgestrahltem Untergrund und mit typengeprüfter Statik für SLW 60 nach DIN 1072.

= ölfreundlich,
= ölanziehend, - aufnehmend, -liebend.

Neigung eines Stoffes, mit Ölen (mineralischen Ursprungs) in Wechselwirkung zu treten.

= ölabweisend,
= ölfürchtend, - abstoßend.

Fehlende Neigung eines Stoffes, mit Ölen (mineralischen Ursprungs) in Wechselwirkung zu treten.

P

Homogene, durch scharfe Trennflächen (Phasengrenzen) abgegrenzte, optisch unterscheidbare und mechanisch trennbare Zustandsformen der Stoffe: feste, flüssige, gasförmige Phase, wässerige Phase bis ölige Phase.

Die Benzin- und Koaleszenzabscheider nach EN 858 und die Fettabscheider nach DIN 4040 sind gemäß den Landesbauordnungen prüfzeichenpflichtig.

Sie dürfen nur dann eingebaut und betrieben werden, wenn für sie das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin, ein Prüfzeichen erteilt hat. Das baurechtliche Prüfzeichen ist zur Verwaltungsvereinfachung durch das WHG § 19 h der gewerblichen Bauartzulassung bzw. der wasserrechtlichen Eignungsfeststellung übergeordnet, um Doppelprüfungen zu vermeiden.

Bevor das DIBt ein Prüfzeichen erteilen kann, ist für Benzin- und Koaleszenzabscheider eine amtliche Zulassungsprüfung durch den TÜV erforderlich. Das erstellte Prüfzeugnis dokumentiert einerseits die Einhaltung der einschlägigen Baugrundsätze durch den Hersteller, andererseits unter anderem auch den Wirkungsgrad bzw. den gemessenen Restkohlenwasserstoffgehalt im Prüfversuch nach DIN 1999, Teil 3 und/oder Teil 5 z. B. für Koaleszenzabscheider </= 5mg/l.

S - T

Flüssigkeit mit größerer Dichte als Wasser, die unverseifbar sowie unpolar ist und in Wasser nur in geringem Maße löslich ist. Beispiele wären Trichlorethylen, Perchlorethylen, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff oder Dichlorethan.

Massen- oder Volumenanteil der Schwerflüssigkeit, der sich aufgrund des Dichteunterschiedes auf physikalischem Weg nach 15 Minuten vom Wasser abgetrennt hat.

Massen- oder Volumenanteil der Schwerflüssigkeit, der im Abwasser emulgiert ist oder kolloidal (Scheinlösung) oder echt (molekular) gelöst ist.

Sammelbezeichnung für alle Vorgänge, bei denen ein Stoff durch einen anderen aufgenommen wird.

Aufschwemmung feinstverteilter fester Stoffe in einer Flüssigkeit.

Grenz- und oberflächenaktive Substanzen. Sie verringern die Oberflächenspannung von Wasser, wodurch dessen Netzvermögen erhöht wird. Da sie Schmutzstoffe ablösen, dienen sie als waschaktive Substanzen.

Im Prüfbescheid fordert das DIBt die sogenannte statische Typenprüfung für Abscheideranlagen in Fertigbauweise aus Stahlbeton nach DIN 4281. Diese wird von der für den Sitz des Abscheiderherstellers zuständigen Landesprüfstelle für Baustatik durchgeführt. Dabei werden unter anderem statische Nachweise gefordert für die Risssicherheit, Auftriebssicherheit, Einhaltung der Verkehrslast SLW 60 nach DIN 1072. Diese Prüfungen gelten für Bund, Länder und Gemeinden.

Verfahren zur Abwasserreinigung, um nicht wasserdampfflüchtige Stoffe vom Wasser zu trennen. Durch Erhitzen verdampft das Wasser und wird anschließend wieder kondensiert. Zurück bleibt ein Konzentrat mit den nichtflüchtigen Bestandteilen des Abwassers. Verdampfer benötigen im Vergleich zu anderen Aufbereitungsverfahren hohe Mengen Energie, die als elektrischer Strom oder Heißdampf für die Aufheizung des Abwassers benötigt wird. Je nach Art des Abwassers kommen unterschiedliche Verdampferarten zum Einsatz wie z.B. Normaldruck- und Vakuumverdampfer mit Brüdenverdichtung, Wärmepumpenverdampfer und Bauformen mit Naturumlauf oder Zwangsumlauf des zu verdampfenden Mediums.