Fachausdrücke und Begriffserklärungen

Definitionen in der Abwassertechnik von A – Z

Fachausdrücke werden in verschiedenen naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen oft unterschiedlich definiert. In unserem Abwasserlexikon finden Sie wichtige Fachbegriffe und Erklärungen bezogen auf den Bereich der Abwassertechnik. 

 

 

A

Aufnahme eines Stoffes in das Innere eines anderen, wobei die Grenzfläche zwischen den beteiligten Stoffen verschwindet und sich das Volumen des sorbierenden Mediums vergrößert.

Wiederverwendung von aufbereitetem Prozesswasser bzw. Abwasser in den Produktionsprozessen unter Beachtung der Energieeinsparung gegenüber der Verwendung von Frischwasser. Dabei werden anfallende Industrieabwässer durch geeignete Verfahren aufbereitet und erneut nutzbar gemacht. Dadurch werden Frischwasserressourcen geschont und Entsorgungskosten gespart. 

Anlagerung oder physikalische Bindung von gelösten Stoffen an die Oberfläche fester Stoffe (beispielsweise Aktivkohle). In der Abwasseraufbereitung benutzt man das Verfahren, um Kohlenwasserstoffe, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Phenol oder organische Farbstoffe zu binden.

Adhäsion (von lat.: adhaerere „anhaften“) nennt man das Aneinanderhalten der Moleküle im Bereich der Grenzflächen zweier verschiedener Stoffe. Auch die Haftwirkung zwischen einer festen Grenzfläche und einer zweiten Phase, die aus einem kontinuierlichen flüssigen Film bestehen kann, nennt man Adhäsion.

Agglomeration (lat.: „Anhäufung“) nennt man die Zusammenballung von einzelnen Schmutzwasserteilchen zu größeren Einheiten mit lockerer Konsistenz. Die so entstehenden Schlämme können leicht von der Phase getrennt werden.

D - E

Desorption nennt man die Entfernung der durch Adsorption angelagerten Stoffe von der Oberfläche des adsorbierenden Stoffes (Umkehr der Adsorption) oder den Übergang von Molekülen oder Atomen in den gasförmigen Zustand.

Anderer Begriff für „waschaktive Substanzen“ und „Tenside“. Detergenzien haben grenzflächenaktive Eigenschaften und werden als Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel sowie als Flotations- und Feuerlöschmittel verwendet.

Der lateinische Begriff „dispersio“ bedeutet „Zerstreuung, Verteilung, Ausbreitung". Dispersion nennt man die feine, nicht molekulare Verteilung eines Stoffes in einem anderen, so dass seine Teilchen in dem anderen schweben und jeweils durch eine Schicht des Dispersionsmittels voneinander getrennt sind. In der Abwasseraufbereitung werden feinst verteilte Schmutzpartikel, wie z.B. dispergierter Lack, mit Hilfe von Koagulanten / Koaguliermitteln gebunden.

Demulgatoren sind spezielle Polymere, die durch Ladungsneutralisation die emulgierende Wirkung von Emulgatoren aufheben und dadurch zu einer Emulsionsspaltung führen. Innerhalb der Abwassertechnologie dienen sie dazu, emulgierte Substanzen, wie z.B. emulgiertes Öl, vom Wasser zu trennen. Vielfach wird hierfür auch der Begriff „organische Spalter“ verwendet.

Chemische Substanzen, die durch Herabsetzung der Grenzflächenspannung die Bildung von Emulsionen erleichtern und sie stabilisieren. Bei der Abwasseraufbereitung wird die Wirkung von vorhandenen Emulgatoren im Abwasser durch Demulgatoren (organische Spalter) neutralisiert und somit beispielsweise emulgiertes Öl vom Wasser getrennt.

Gemenge zweier ineinander nicht mischbarer Flüssigkeiten, bei dem die eine in Form von feinen Tröpfchen in der anderen verteilt ist (disperse Systeme). Meist handelt es sich dabei um Öl-in-Wasser-Emulsionen.

Trennung von emulgierten Ölen bzw. Fetten und Wasser. Durch den Einsatz von Demulgatoren erfolgt eine Ladungsneutralisation bzw. Deaktivierung von Emulgatoren, so dass die nun elektrisch neutralen Öltröpfchen sich zusammenballen und aufschwimmen / flotieren können. Üblicherweise spricht man bei diesem Prozess auch von der „organischen Spaltung“ von Emulsionen.

F

Lipophiler Leichtstoff mit geringerer Dichte als Wasser, der in Wasser nur in geringem Maße löslich sowie verseifbar und polar ist. Beispiele wären Nahrungsfette sowie -öle tierischen und pflanzlichen Ursprungs.

Massenanteil des im Abwasser vorhandenen Fettes, der sich aufgrund des Dichteunterschiedes auf physikalischem Weg nach 15 Minuten vom Abwasser abgetrennt hat.

Massenanteil des im Abwasser vorhandenen Fettes, der im Abwasser emulgiert ist oder kolloidal (Scheinlösung) oder echt (molekular) gelöst ist.

Der Flammpunkt einer Flüssigkeit ist definiert als die Mindesttemperatur, die für die Bildung eines entflammbaren Dampf-Luft-Gemisches über der Flüssigkeit erforderlich ist.


Verfahren, bei dem Stoffteilchen durch Anhaften an feine Gasbläschen, welche durch Einbringung von Druckluft in das Abwassergemisch entstehen, aus diesem zum Aufschwimmen gebracht werden. Bei dem Prozess entsteht Flotat (flotierter Schlamm), das leicht von der Grundflüssigkeit abgetrennt werden kann. Man unterscheidet z.B. Luftflotation und Entspannungsflotation. Das Flotationsverfahren wird häufig als erster Prozessschritt in Kläranlagen eingesetzt.

H - K

Hydrophil bedeutet "wasserfreundlich", "wasseranziehend", "-aufnehmend", "-liebend". Das Wort bezeichnet die Neigung eines Stoffes, mit Wasser in Wechselwirkung zu treten.

Hydrophob hat die Bedeutung "wasserabweisend", "wasserfürchtend", "-abstoßend". Das Wort bezeichnet die fehlende Neigung eines Stoffes, mit Wasser in Wechselwirkung zu treten.

= Ausflockung, Flockung.
In der Wasseraufbereitungstechnik bedeutet Flockung die künstliche Erzeugung von Flocken, die suspendierte oder kolloidal gelöste Bestandteile des Wassers adsorbieren oder einschließen.

Vereinigung von kleinen Tropfen oder Blasen zu größeren. Dieses Verfahren wird in Koaleszenzabscheidern zur Öl-Wasser-Trennung eingesetzt.

L-M

Flüssigkeit mit geringerer Dichte als Wasser, die in Wasser nur in geringem Maße löslich, unverseifbar und unpolar ist. Beispiele hierfür wären Benzin, Diesel- und Heizöl oder auch Schmieröle.

Massenanteil der im Abwasser vorhandenen Leichtflüssigkeit, der sich aufgrund des Dichteunterschiedes auf physikalischem Weg nach 15 Minuten vom Wasser abgetrennt hat (siehe DIN 38409 Teil 19).

Als nicht direkt abscheidbar definiert man den Massenanteil der im Abwasser vorhandenen Leichtflüssigkeit, der in Wasser emulgiert oder kolloidal (Scheinlösung) oder echt (molekular) gelöst ist (vgl. DIN 38409 Teil 19).

= fettfreundlich, -aufnehmend, -anziehend.

Homogenes Stoffgemisch in flüssigem Zustand, das den gelösten Stoff in molekularer Verteilung enthält.

Membranverfahren basieren auf dem Prinzip der Querstromfiltration (Cross-Flow-Filtration). Je nach Größe der abzutrennenden Partikel werden diese Verfahren als Mikrofiltration (0,5-0,1 µm), Ultrafiltration (0,1-0,01 µm), Nanofiltration  (0,01-0,001 µm/ 10-1 nm) oder Umkehrosmose (1-0,1 nm) bezeichnet. Bedingt durch den benötigten starken Druck und die schnelle Fließgeschwindigkeit der zu behandelnden Fluide werden für diese Verfahren hohe Anforderungen an die Pumpen gestellt. Da Membranverfahren zu Verblockungen neigen, sind sie empfindlich gegenüber wechselnden Abwasserzusammensetzungen und müssen oft gereinigt werden.

N - O

Die Nenngröße ist im Sinne der Normen ein einheitenloser Kennwert: bei Leichtflüssigkeitsabscheidern zum Beispiel für die hydraulische Zuordnung der Abscheider – bei Fettabscheidern zur Bestimmung der grundlegenden Abmessungen. Die Nenngröße entspricht dem maximal möglichen Durchfluss in l/s (Liter pro Sekunde), sofern bei der Abscheiderbemessung keine Erschwernis-Faktoren für Leichtflüssigkeitsdichte, Schmutzwasser, Temperatur usw. in die Nenngrößenermittlung eingegangen sind.

Vor einem Abscheider einzubauende Einrichtung zum Auffangen der abscheiderbelastenden Verschmutzungen des Abwassers, die im Unterwasserbereich fugenlos einstückig ist. Der Ölschlammfang kann aus Stahlbeton nach DIN 4281 sein, also u. a. mit geeigneter Innenbeschichtung auf sandgestrahltem Untergrund und mit typengeprüfter Statik für SLW 60 nach DIN 1072.

Oleophil bededutet "ölfreundlich", "ölanziehend", "- aufnehmend", "-liebend". Das Wort bezeichnet die Neigung eines Stoffes, mit Ölen (mineralischen Ursprungs) in Wechselwirkung zu treten.

Oleophob bedeutet "ölabweisend", "ölfürchtend", "- abstoßend". Das Wort bezeichnet die fehlende Neigung eines Stoffes, mit Ölen (mineralischen Ursprungs) in Wechselwirkung zu treten.

P

Homogene, durch scharfe Trennflächen (Phasengrenzen) abgegrenzte, optisch unterscheidbare und mechanisch trennbare Zustandsformen der Stoffe: feste, flüssige, gasförmige Phase, wässerige Phase bis ölige Phase.

Die Benzin- und Koaleszenzabscheider nach EN 858 und die Fettabscheider nach DIN 4040 sind gemäß den Landesbauordnungen prüfzeichenpflichtig.

Sie dürfen nur dann eingebaut und betrieben werden, wenn für sie das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin, ein Prüfzeichen erteilt hat. Das baurechtliche Prüfzeichen ist zur Verwaltungsvereinfachung durch das WHG § 19 h der gewerblichen Bauartzulassung bzw. der wasserrechtlichen Eignungsfeststellung übergeordnet, um Doppelprüfungen zu vermeiden.

Bevor das DIBt ein Prüfzeichen erteilen kann, ist für Benzin- und Koaleszenzabscheider eine amtliche Zulassungsprüfung durch den TÜV erforderlich. Das erstellte Prüfzeugnis dokumentiert einerseits die Einhaltung der einschlägigen Baugrundsätze durch den Hersteller, andererseits unter anderem auch den Wirkungsgrad bzw. den gemessenen Restkohlenwasserstoffgehalt im Prüfversuch nach DIN 1999, Teil 3 und/oder Teil 5 z. B. für Koaleszenzabscheider </= 5mg/l.

S - T

Flüssigkeit mit höherer Dichte als Wasser, die unverseifbar sowie unpolar ist und in Wasser nur in geringem Maße löslich ist. Beispiele wären Trichlorethylen, Perchlorethylen, Chloroform, Tetrachlorkohlenstoff oder Dichlorethan.

Massen- oder Volumenanteil der Schwerflüssigkeit, der sich aufgrund des Dichteunterschiedes auf physikalischem Weg nach 15 Minuten vom Wasser abgetrennt hat.

Massen- oder Volumenanteil der Schwerflüssigkeit, der im Abwasser emulgiert ist oder kolloidal (Scheinlösung) oder echt (molekular) gelöst ist.

Sammelbezeichnung für alle Vorgänge, bei denen ein Stoff durch einen anderen aufgenommen oder an einen anderen angelagert wird. Dabei wird die Anreicherung innerhalb einer Phase als „Absorption“ und die Anlagerung an der Grenzfläche als „Adsorption" bezeichnet. Der Begriff wird verwendet, wenn nicht eindeutig zwischen Absorption und Adsorption unterschieden werden kann.

Eine Suspension ist ein heterogenes, meist flüssiges Stoffgemisch. In der Abwassertechnik bezeichnet man damit eine Aufschwemmung feinstverteilter fester Stoffe in einer Flüssigkeit.

Grenz- und oberflächenaktive Substanzen. Sie verringern die Oberflächenspannung von Wasser, wodurch dessen Benetzungsvermögen erhöht wird. Da sie Schmutzstoffe ablösen, dienen sie als waschaktive Substanzen.

Im Prüfbescheid fordert das DIBt die sogenannte statische Typenprüfung für Abscheideranlagen in Fertigbauweise aus Stahlbeton nach DIN 4281. Diese wird von der für den Sitz des Abscheiderherstellers zuständigen Landesprüfstelle für Baustatik durchgeführt. Dabei werden unter anderem statische Nachweise gefordert für die Risssicherheit, Auftriebssicherheit, Einhaltung der Verkehrslast SLW 60 nach DIN 1072. Diese Prüfungen gelten für Bund, Länder und Gemeinden.

Verfahren zur Abwasserreinigung, um nicht wasserdampfflüchtige Stoffe vom Wasser zu trennen. Durch Erhitzen verdampft das Wasser und wird anschließend wieder kondensiert. Zurück bleibt ein Konzentrat mit den nichtflüchtigen Bestandteilen des Abwassers. Verdampfer benötigen im Vergleich zu anderen Aufbereitungsverfahren hohe Mengen Energie, die als elektrischer Strom oder Heißdampf für die Aufheizung des Abwassers benötigt wird. Je nach Art des Abwassers kommen unterschiedliche Verdampferarten zum Einsatz wie z.B. Normaldruck- und Vakuumverdampfer mit Brüdenverdichtung, Wärmepumpenverdampfer und Bauformen mit Naturumlauf oder Zwangsumlauf des zu verdampfenden Mediums.